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Repair-Café am 05.02.2022

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Am Samstag, den 05.02.2022, fand zum 3. Mal unser Repair-Café in Dinkelscherben statt. Bereits 20 Minuten vor dem offiziellen Start, als noch die Aufbauarbeiten in vollem Gange waren, standen die ersten drei Besucher schon vor der Tür. „Ich war letzten Monat in Augsburg im Repair-Café und bin nach 2 Stunden Wartezeit wieder nach Hause geschickt worden – deswegen probiere ich es hier“, so einer der ersten Ankömmlinge. Mit zu den ersten BesucherInnen zählte Siegrfried Pflips-Schuring aus Zusmarshausen. Er war mit seiner russischen Matroschka bereits beim letzten Repair-Café im Dezember vor Ort. Damals wurde der Defekt zwar gefunden, jedoch fehlte das nötige Ersatzteil, das zwischenzeitlich bestellt wurde und nun hoffentlich die Maschine wieder in Gang setzen kann. Seine Matroschka „sei nicht zu verwechseln mit den Matroschka´s, die ineinander gestapelt werden können“, erklärt Siegfried. Es handelt sich um eine elektrische Kaffeemühle verbaut in einer Matroschka, die schon älter sein könnte als er selbst. Es ist ein Erbstück und wurde möglicherweise bei einer der so typischen Reisen der (Groß-) Eltern aus der ehemaligen DDR nach Russland erworben. Er stammt aus der DDR und bezeichnet seine Mühle als russisches Sammlerstück: „Die ganze Technik ist russisch, wer weiß, ob das Ersatzteil überhaupt mit der antiken Technik zusammenpasst?“. Sie war vor ein paar Jahren kaputt gegangen und seitdem hatte er immer auf eine Gelegenheit gewartet, diese reparieren zu lassen. Als er dann in der Zeitung vom Lebenskreis und dem Projekt Repair-Café gelesen hat, wusste er „das ist meine Chance“, erzählt er grinsend. Obwohl er wie viele der BesucherInnen ca. 30 Minuten warten muss, bis er an der Reihe ist, geht er ganz entspannt in den Samstagvormittag und beobachtet den gut gefüllten Pfarrsaal.

Diese gesellschaftliche Atmosphäre genießt eine der helfenden Hände, Elisabeth, besonders. Sie ist Mitorganisatorin des monatlich stattfindenden Repair-Café´s in Augsburg. „Unser ursprünglicher Gedanke, ein solches Kaffee zu gründen, war die gesellschaftliche Zusammenkunft der Leute“, führt sie aus. Es stehen ja eigentlich nicht die mitgebrachten Dinge im Vordergrund, sondern der Austausch mit seinen Mitmenschen. So war sie gleich von Anfang mit dabei und freut sich nun ihr ehrenamtliches Engagement auch in Dinkelscherben einzusetzen. Aber zurück zu unserem stolzen Matroschka-Besitzer: Seine Gerätschaft konnte erfolgreich repariert werden und nun kann er die modernere, als Übergangslösung erworbene Kaffeemühle im Abstellraum verstauen. „Das war eh nicht das gleiche, fast ein bisschen langweilig“, lacht er. Ähnlich glücklich verließ Frau Grauer die magische ‚Reparatur-Halle‘: „Wahnsinn, ich dachte, das kann man nicht mehr machen. Und jetzt funktioniert es wieder!“. Sie ist pensionierte Friseurmeistern und brachte ihren defekten Haartrockner aus den 1970er Jahren. Auch Herrn Brinker´s Erstaunen über sein repariertes Objekt stand ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben: „Ich kann eigentlich auch viel reparieren und trotzdem habe ich heute wieder was Neues dazugelernt.“ Ein weiterer Herr konnte mit einer Reparatur eines aus den 1970er Jahren stammenden Radios zufrieden wieder nach Hause gehen. Er war bereits in diversen Elektrofachgeschäften, bisher konnte ihm keiner weiterhelfen. Für die Helferinnen vor Ort ist es auch immer wieder bewundernswert, was die Leute für Gerätschaften vorbeibringen. „Echt Wahnsinn, das Repair-Café ist fast so etwas wie ein Antiquitätenmarkt“, so einer der Mithelfenden, Stefan. Ihm sei es eine aufrichtige Freude, oftmals fremde Menschen mit kaputten Geräten zu empfangen und Sie nach den flinken Handgriffen der Reparateure glücklich nach Hause zu schicken. „Vor allem für uns jungen Menschen, die handwerklich nicht mehr diese Begabung haben wie die Generation unserer Eltern oder Großeltern, ist es spannend, die Künste der HandwerkerInnen zu sehen“, führt Stefan aus. Reparateur Michael aus Dinkelscherben, den seit seiner Kindheit handwerkliche Tätigkeiten begleiten, war im Oktober noch als Besucher zu Gast, „um a weng zum gucka“. Nachdem man dann mit ihm ins Gespräch kam und merkte, dass er einen Faible für alte elektrische Geräte hat, wurde er gleich verpflichtet. „Mich interessieren elektrische Geräte aller Art, die die Leute hier mitbringen“, so der gelernte Elektromeister. Von Installateur bis Roboterbau hat er alle Sparten durch und repariert auch alle möglichen Geräte ehrenamtlich in Form einer Nachbarschaftshilfe. „Ich möchte Sachen reparieren und nicht wegschmeißen“, lautet sein Motto.
Und mit dieser Einstellung dürfen wir noch einen Appell an euch richten: Falls ihr auch handwerkliches Geschick habt, einen handwerklichen Beruf ausübt und anderen Menschen helfen möchtet, dann meldet euch bei uns! Wir suchen händeringend nach weiteren Reparateuren, die mithelfen, den immer größer werdenden Ansturm auf unsere Reparatur-Station zu bewältigen. Je mehr Reparateure, umso weniger Wartezeit und mehr zufrieden Gäste.
Wir bedanken uns bei der katholischen Kirchenstiftung Dinkelscherben, welche die Nutzung der Räumlichkeiten wie immer unkompliziert möglich gemacht hat. Allen HelferInnen und Reparateuren ein großes Lob, ihr wart wieder ein perfekt eingespieltes Team. Und selbstverständlich danken wir allen Unterstützern und Spendengebern, die uns ermöglichen, die Ausstattung für das Repair-Café weiter aufzustocken und auch andere soziale Angebote zu schaffen. Ich hoffe ihr bleibt uns weiterhin treu und wir sehen uns bei einer der nächsten Veranstaltungen. Falls ihr euch für unsere Arbeit interessiert, schaut doch gerne auf unsere Homepage www.lebenskreisdinkelscherben.de, auf Facebook oder Instagram vorbei.

Die Repair-Cafés des Lebenskreis Dinkelscherben werde von ReAL West im Rahmen des Projektes "Unterstützung Bürgerengagement" unterstützt. In den kommenden Monaten sind weitere Veranstaltungen geplant.

 

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